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DRUCKMUSEUM
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Johannes Gutenberg

Gutenberg Gutenberg
Gutenberg Gutenberg Gutenberg Gutenberg Älteste Darstellungen Gutenbergs

um 1397
Henne Gensfleisch zur Laden, genannt Johann Gutenberg, wird am Johannistag des 24. Juni in Mainz als Sohn einer alten Patrizierfamilie geboren. Sein Vater war Friele zur Laden zu Gutenberg, seine Mutter Else Wyrich.
Gensfleisch zum Gutenberg
Hof zum Gutenberg Wappen und Hof zum Gutenberg in Mainz

1428
Auf Grund der Streitigkeiten zwischen den Zünften und Patriziern wandert Gutenberg aus Mainz nach Straßburg aus, wo er sich als Goldschmied, Spiegelschleifer, Steinepolierer und Edelsteinverkäufer verdingt..

1439
Wegen Gutenbergs "geheimer Künste" wird ihm in Straßburg der Prozess gemacht, den er gewinnt.

1448
Gutenberg ist urkundlich in Mainz nachweisbar.

1450
In dem reichen Mainzer Kaufmann Johannes Fust findet Gutenberg einen Finanzier, der ihm zwei Mal 800 Gulden vorstreckt.. Mit dem geliehenen Geld richtet Gutenberg seine Werkstatt ein: Er kauft Blei, Papier und Pergament, konstruiert ein Gießinstrument zum Gießen von einzelnen Typen aus einer speziellen Metall-Legierung, entwickelt den Winkelhaken zum Aufreihen der Lettern in Zeilen, lässt eine hölzerne Druckpresse bauen und mixt eine schwarze Druckfarbe aus Leinöl und Ruß.

Die dem Vorbild der schöngestalteten Missalhandschriften nachgezeichnete Buchstabenformen wurden auf einem glattgeschliffenen Stahlstäbchen seitenverkehrt mit Stichel und Feile herausgeschnitten. Diese Patrizenform bildete den Prägestempel für die Kupfermatrize, der Mutterform für die zu gießenden Lettern. Diese wurde in ein Handgießinstrument eingesetzt und mit einem Gußlöffel das flüssige Metall (eine Legierung von Blei, Antimon und Zinn) eingefüllt. Nach dem Erkalten öffnete man das Gießinstrument, die fertige Buchstabentype wurde ausgelöst und es konnten weitere gegossen werden. Für einen guten Druck mußten abschließend die Kegel aller Schrifttypen auf eine einheitliche Schrifthöhe geschliffen werden. Nach dem Vorbild der handgeschriebenen Bücher wurden von jeder Schriftart bis zu 20 verschiedene Schriftgrade gegossen, die nach dem jeweiligen Werk, für dessen Herstellung sie angefertigt wurden (Cicero, Korpus) oder nach ihrer Kostbarkeit (Brillant, Perl) oder nach der Größe (Petit, Nonpareille) ihren Namen erhielten. Als Maßeinheit legte der Pariser Schriftgießer Didot dafür das typografische System mit der kleinsten Einheit des typografischen Punktes (= 0,376 mm) fest. Das Setzmaterial war in Schriftkästen untergebracht, wobei die Anordnung der einzelnen Buchstabenfächer nicht alphabetisch, sondern nach der Häufigkeit ihrer sprachlichen Verwendung ausgerichtet war. Beim Setzen entnahm der Setzer (Compositor) die Einzellettern dem jeweils richtigen Fach des Setzkastens und reihte im Winkelhaken, dem Manuskript entsprechend, solange Buchstabe an Buchstabe, bis die Zeile ziemlich voll war. Dabei sollten Setzfehler wie Zwiebelfische (Buchstabe aus fealscher Schrfit), Hurenkinder (letzte Zeile eines Absatzers auf neuer Seite), Schusterjungen (erste Zeile eines Absatzes auf vorhergehender Seite) etc. möglichst vermieden werden. Mit dem Ausschließen, dem exaten optischen Ausgleichen der Wortzwischenräume mittels dem nicht druckenden Blind- oder Füllmaterial (Ausschluß, Achtel, Viertel, Quadraten, Regletten, Stege, Concordanzen) wurde die Zeile endgültig gefüllt. Um eine optimale harmonische Gleichmäßigkeit zu erreichen, verwendete man verschiedenste Ausformungen der Gemeinen und Versalien wie Kürzungstypen (Abbreviaturen), Ligaturen und Logotypen (zusammengegossene Silben). Auf dem Setzschiff wurden die Zeilen abschließend zu Kolumnen mit schmalen Satzspiegel in Blockform aneinandergereiht; zwei Spalten bildeten dann eine Seite. Der Beginn des Werkes wurde mit der Rubrik „Incipit“ angezeigt, Illustrationen in Form von Holzschnitten eingebaut, Kustoden, Pagina, Signaturen, Marginalien am Rand angeordnet; das Werkende bildete die Schlußschrift mit dem Impressum. Die Impressores (Druckergesellen) besorgten dann auf einer hölzernen Spindelpresse den eigentlichen Abdruck des Satzes. Die tiefschwarz glänzende und schnell trocknende Farbe aus Ruß und Leinölfirnis wurde durch den Ballenmeister mit Ledertampons, die mit Roßhaar gefüllt waren, sorgfältig aufgetragen. Der Preßmeister befestigte durch Punkturen (Nadeln) am Deckel der Presse registergenau das vorgefeuchtete Pergament oder handgeschöpfte Büttenpapier, das aus Lumpen hergestellt wurde und kunstvolle Wasserzeichen trug. Um einen reinen Ausdruck zu gewährleisten, wurde ein ebenfalls am Deckel der Presse befestigter Rahmen über den Druckbogen geklappt, der nur die zu bedruckenden Stellen des Papieres freiließ. Dieser Deckel mit dem so befestigtem Papier wurde sodann auf eingefärbten Satz umgeklappt und unter die Presse geschoben. Durch das Anziehen des Preßbengels senkte dieser die Spindel, wodurch wiederum durch den Tiegel ein gleichmäißger Druck auf das auf die Druckform gelegte Papier ausgeübt wurde. Letztendlich wurde der Preßbengel zurückgestoßen, das bedruckte Blatt sorgfältig vom Satz abgehoben und zum Trocknen aufgehängt. Nach wie vor wurden anfangs Initialen, roten Titelzeilen und Ausschmückungen manuell durch Illuminatoren ergänzt.

Matrize Maus Maus
Lettern Letternguß                            
Vom Stahlstempel, der Patrize, über die Matrize zur Letter
Matrize Holzlettern Setzregal Winkelhaken
  

Lyon Mainz Gutenberg-Museum
.                                 Rekonstruktion der Druckpresse Albrecht Dürers nach seiner Zeichnung von 1511

1452
Gutenberg beginnt mit dem Druck der 42zeiligen Bibel.

Gutenbergbibel
In den Jahren unseres Herrn, da man schrieb 1450, da war ein gülden Jahr: Und da begann man zu drucken und war das erste Buch, das man druckte die Bibel in Latein. Und die wurde gedruckt in einer großen Schrift, wie die Schrift, daraus man heute Meßbücher druckt." Chronik von Köln, 1499

1455
Gutenberg vollendet nach dreijähriger Arbeit die 42zeilige Bibel, das erste große Werk in der neuen Kunst. Die in zwei Spalten gesetzte Bibel hat einen Umfang von 1282 Folio-Seiten. 24 vollständige Exemplare sind noch vorhanden.

42zeilige Gutenbergbibel, 1450-55 Ulrich Helmasperger Helmasperger Urkunde
In einer vom Mainzer Notar Ulrich Helmasperger am 5. November 1455 ausgestellten Urkunde wird dokumentiert, dass Johannes Fust wegen des Darlehens von 800 Gulden vor dem weltlichen Gericht in Mainz einen Prozess führt und Gutenberg ihm seine 180 gedruckten Exemplare der Gutenberg-Bibel sowie die Werkstatt überlassen muss.
Fust geht mit dem ehemaligen Gehilfen und Schwiegersohn Gutenbergs, Peter Schöffer, eine neue Geschäftsverbindung ein.

Johann Fust und Peter Schöffer mit ihrem Druckerwappen von 1462.

1457
Schöffer druckt das dreifarbige Mainzer "Psalterium sive psalmorum", welches das erste Drucker-Impressum aufweist: "Gegenwärtige Sammlung der Psalmen, mit schönen Anfangsbuchstaben geziert und nach Rubriken abgeteilt, ist durch die kunstreiche Erfindung zu drucken, ohne Hilfe der Feder also gefertigt und zur Verehrung Gottes nach vieler Mühe und Arbeit zu Stande gebracht worden, durch Johann Fust, einen Mainzer Bürger und Peter Schöffer von Gernsheim. Im Jahre unseres Herrn eintausendvierhundertsiebenundfünfzig."
Mainzer Psalter, 1457.

1460
Vollendung der 36zeiligen Bibel. Sie besitzt 881 Blätter und ist noch in 13 Exemplaren erhalten.

1465
Gutenberg wird Hofdienstmann des Kurfürsten und Erzbischof Adolf von Nassau.
Bildnis Gutenbergs aus 1840.

1468
Gutenberg stirbt am 3. Februar und wird in der Franziskanerkirche zu Mainz begraben.


Das Wappen der Buchdrucker, ein Greif mit Druckerballen sowie ein Adler mit Tenakel und Winkelhaken, wurde von Kaiser Friedrich III. verliehen.

1837
Gutenbergdenkmal von Bertel Thorvaldsen in Straßburg.
Strassburg Thorvaldsen
Strassburg Strassburg
Strassburg Strassburg

1900
Gutenbergmuseum in Mainz
Druckpresse Gutenberg Museum
Holzpresse

Es ist nicht verwunderlich, dass die Erfindung des Buchdrucks um 1450, die Johannes Gensfleisch zum Gutenberg zugeschrieben wird, aufgrund ihrer revolutionierenden Veränderung auch als „Schwarze Kunst“ bezeichnet wurde. Zu unbegreiflich und an Zauberei grenzend war diese Erfindung, die mit einem Schlage die elitäre Arbeit der Buchschreiber ersetzte und im Zuge ihrer Entwicklung plötzlich auf nahezu alle Bereiche des menschlichen Daseins Einfluß genommen hatte. „Die ganze Welt gibt ohne Zögern zu, und es bleibt nur eine Meinung darüber, dass Gutenbergs Erfindung das unvergleichlich größte Ereignis ist, das die Weltgeschichte kennt. Sie schuf eine neue, wundervolle Welt, mit ihr aber auch eine neue Hölle.“ Diese Worte des nordamerikanische Schriftsetzer und Romancier Mark Twain bringen es auf den Punkt und zeigen uns die der Druckkunst innewohnende Ambivalenz auf: nämlich dass sich zum einen die Stimme des Individuums mit Hilfe der Druckpresse an die Allgemeinheit wenden kann und damit eine Grenzen und Nationalitäten überschreitende Form von Gemeinschaft entsteht, zum anderen aber durch sie auch der isolierte Leser geschaffen wurde, der eine große innere Unabhängigkeit erlangt und sich aus dem gesellschaftlichen Kontext herauslöst - bis hin zur zwischenmenschlichen Kontaktunfähigkeit. Das Lesen und Schreiben wird Allgemeinheit, die Wissenschaft löst sich aus der Enge der Klosterstube und gelangt unter das Volk. Die Tage der Alchimistengeheimnisse waren vorbei, die Wissenschaft wurde zur öffentlichen Angelegenheit. Die Auflage der 42-zeiligen Gutenberg-Bibel (1926 wurde ein Exemplar vom Stift St,Paul an die Kongreß-Bibliothek nach Washington um 7 Millionen Schilling verkauft) betrug 200 Stück, Luthers Bibelübersetzung ins Deutsche erlebte bis zum Jahre 1560 eine Auflage von 120000 und innerhalb von 50 Jahren nach der Erfindung des Buchdrucks waren mehr als acht Millionen Bücher gedruckt. Die Buchdruckerkunst hat also wirklich wie kaum ein anderes Gewerbe auf fast jedes menschliche Betätigungsfeld Auswirkungen: sei es bei der Durchsetzung des Lesens und Schreibens für die Allgemeinheit, bei der Entwicklung der deutschen Sprache zur Volkssprache, bei der Ermöglichung der protestantischen Reformationsbewegung, bei der Popularisierung der Wissenschaft, bei seiner Vorbildwirkung für technische Erfindungen, bei der Schaffung des Journalismus und der Presse mit der Zeitung als Organ der öffentlichen Meinung oder bei der Verbreitung des Bücherei- und Bibliothekswesens.